Der "Harm-Hof" im Heidedorf Schwalingen ist einer der wenigen Höfe im Dorf, dessen Gründer und Namengeber gut bekannt sind. Es ist Harm Reinke oder Reincken, wie sein Familienname zur Zeit seiner Geburt geschrieben wurde. Im Juni 1747 kommt Harm Reinke in Gilmerdingen zur Welt und wird in eine alte Schäferfamilie hineingeboren. Sein Vater Andreas Friedrich Reincken ist in dieser Zeit Schäfer in Gilmerdingen. Er ist mit einer Schwalingerin verheiratet, Marje Röhrs, und auch selbst aus Schwalingen gebürtig, wo sein Vater Ebert Reincken bereits Dorfschäfer gewesen war. Und dorthin, in sein Heimatdorf Schwalingen, siedelt Andreas Friedrich Reincken in den 1750er Jahren um, als ihm die Stelle des Schwalinger Dorfschäfers angeboten wird. Dorfschäfer ist eine gute, angesehene und sichere Stellung. So überrascht es nicht, dass Andreas Friedrich Reincken seinen Sohn Harm in Familientradition zum Schäfer ausbildet. Als er 1770 stirbt, kann Harm Reinke mit 23 Jahren die Stelle des Dorfschäfers zu Schwalingen übernehmen. In dieser Zeit, wenige Jahre nach dem Ende des schlimmen Siebenjährigen Krieges, ist Georg III. Kurfürst von Hannover und seit 1760 gleichzeitig König von England bestrebt, die Situation der ländlichen Bevölkerung durch Ausweisung neuer Meierstellen zu verbessern. Harm Reinke erlebt 1772, wie der Häusling Peter Christoph Schröder sich selbständig machen kann und als erster Neubauer in Schwalingen angesetzt wird, der "Schoster-Hof". Vielleicht hat Harm Reinke schon zu dieser Zeit den Entschluss gefasst, dem Beispiel von Peter Christoph Schröder zu folgen und eine eigene Hofstelle zu gründen. Wer weiss ? Jedenfalls dauert es noch weitere 14 Jahre, bis Harm Reinke  im März 1786 den Neuenkirchener Amtsvogt Mardefeldt bittet, ihm eine Neubauerstelle in der Schwalinger Gemeinheit zuzuweisen. Doch die Schwalinger Reiheleute wehren sich heftig gegen die Ansetzung eines weiteren Neubauern in ihrem Dorf. Mangel an Futter und Platz wird angeführt. Aber es wird wohl auch die Sorge um den Frieden im Dorf gegangen sein, denn Neubauer werden mit dem vollem Stimmrecht bei Entscheidungen der Dorfgemeinschaft ausgestattet. Letztlich muss Amtsvogt Mardefeldt "von Amts wegen"  auf Weisung des Rotenburger Amtmanns und in angeordneter Anwesenheit aller Einwohner Schwalingens den Platz festlegen, an dem Harm Reinke seine Neubauerstelle errichten darf: 60 Schritte im Quadrat am nördlichen Rande des Dorfes, am Moorflath. Es ist ein feuchter, unwirtlicher Platz - vorgeschlagen von den Schwalinger Reiheleuten, als ihnen klar wurde, dass sie die Ansetzung nicht mehr verhindern können. Im September 1786 ist alles geklärt, die Domänenkammer des Kurfürstentums Hannover stellt Harm Reinke den Meierbrief für seine Neubauerstelle aus. Er errichtet auf seiner Hofstelle ein Wohnhaus von 12,4m x 9,6m Länge und Breite und auch gleich dazu eine kleine Scheune von 7,5 x 4,2m Länge und Breite. Und beginnt zu wirtschaften: 9 Morgen und 35 Quadratruthen Land gehören zu seiner Hofstelle, etwa 2,3 Hektar. Es ist überwiegend Ackerland in drei kleinen Parzellen - am äussersten westlichen Rand der Schwalinger Gemarkung (im heutigen Siek) und eine kleine Wiese direkt am Hof. Trotz der schwierigen Umstände und der ungünstigen Lage seiner Hofstelle muss Harm Reinke wohl eine Begabung zur Landwirtschaft und eine glückliche Hand beim Wirtschaften gehabt haben. Denn im Jahr 1797 trifft die "Königlich- Churfüstliche Landwirtschafts-Gesellschaft zu Celle" einen Beschluss: Sie verleiht dem Neubauern zu Schwalingen, Harm Reinke, die "Kleine silberne Medaille". Die Begründung lautet: "Weil er einen sumpfigen Platz in einen fruchtbaren Garten umgeschaffen hat." Harm Reinke erlebt noch, wie sein Enkel Hans Hinrich Reinke im Oktober 1811, mitten in der "französischen Zeit" im Kurfürstentum Hannover, geboren und so die Erbfolge auf dem "Harm-Hof" gesichert wird. Hans Hinrich Reinke ist es dann auch, der ab 1838 als Neubauer des "Harm- Hofes" an der Schwalinger Gemeinheitsteilung und Verkoppelung teilnimmt. Drei Jahre später, im Juni 1841, heiratet er die Haustochter vom nachbarlichen Halbhof "Fintelmann", die 19jährige Anna Margaretha von Fintel. In dieser Zeit wird das Wohnhaus des "Harm-Hofe" verlängert, es misst nun 14,6m x 9,6m Länge und Breite. Aus der Gemeinheitsteilung  ergibt sich ein erheblicher Zugewinn an Flächen für die Schwalinger Höfe. Auch die Neubauerstelle von Hans Hinrich Reinke profitiert davon: Sie wächst von 2,3 Hektar auf etwa 11,5 Hektar Landfläche. Ein großer Teil der neuen Flächen liegt im Osten des Dorfes, jenseits des Schwalinger Baches, in der Flur mit dem Namen "Im Riep". Hans Hinrich Reinke trifft eine große Entscheidung: Er beschließt, bei seinen neuen Flächen östlich des Schwalinger Baches eine neue Hofstelle zu errichten, dorthin umzusiedeln und den alten "Harm-Hof" zu verkaufen. Und nicht nur das: Er errichtet dort, am östlichen Rand des Dorfes, ein großes Niedersächsisches Hallenhaus für die Landwirtschaft, aber auch groß genug, um zusätzlich eine Gastwirtschaft zu betreiben. Am 20.Juli 1846 ist der große Tag: Das Haus wird gerichtet (heute Schwalingen No.33). Der Hofname "Harm-Hof" bleibt aber bei der alten Hofstelle (heute Schwalingen No.25). Für die neue Hofstelle Schwalingen No.33 (heutiger Besitzer ist Richard Steinke) setzt sich nie ein eigener Hofname durch. Die Neubauerqualität des "Harm-Hofes" geht mit Hans Hinrich Reinke auf seine neue Hofstelle Schwalingen No.33 über. Der "Hahm-Hof" ist nun eine Anbauerstelle ohne besondere Privilegien. Zwölf Jahre später, im Jahre 1858, gehört der "Harm-Hof" Peter Baden. Er stammt aus Sprengel und ist seit 1842 mit Engel Maria Schlumbohm verheiratet, einer Tochter vom nachbarlichen "Neebuur-Hof", Schwalingen No.26. Zur Anbauerstelle von Peter Baden gehören etwas mehr als 10 Morgen Land: 5 1/2 Morgen Ackerland auf dem "Loh", 3 Morgen Ackerland "Sandacker" auf dem "Westerfeld", 1 Morgen Gartenland am Hause und 1/2 Morgen Wiese dabei. Kurz nachdem das Königreich Hannover im Jahre 1866 untergegangen war und zur preußischen Provinz Hannover wurde, beschließt Peter Baden, mit seiner Familie nach Amerika auszuwandern. Im Mai 1868, Peter Baden ist 50 Jahre alt, verkauft er den "Harm-Hof" an Hinrich Friedrich Witte aus Schwalingen. Anfang August 1868 trifft er mit seiner Frau Marie und zwei Söhnen in New York ein. Nur wenige Jahre später stirbt er. Hinrich Friedrich Witte vermehrt den Landbesitz des "Harm-Hof" erheblich.
Die Wirtefolge der Neubauer- /Anbauerstelle “Harm-Hof”. 1786 - 1809 Harm Reinke *1747 +1827 1809 - 1838 Peter Christoph Reinke *1785 +1850 1838 - 1858? Hans Hinrich Reinke *1811 + 1879 1858?- 1868 Peter Baden *~1818 +~1877 (in Amerika) 1868 - 1882 Hinrich Friedrich Witte 1882 - 1920 Wilhelm Gebers *1849 +1931 1920 - 1969 Friedrich Hermann Gebers *1894 +1969 1969 -2012 Fritz Werner Gebers *1927 +2012
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Die Lage der Anbauerstelle “Harm-Hof” auf einer Karte von 1870
1875 besitzt er bereits 11 Parzellen mit insgesamt 10,24 Hektar. Das Land hat er überwiegend von dem Neubauer Peter Böhling, "Ramaker-Hof" Schwalingen No.28, und dem Anbauer Christoph von Fintel, "Höker-Hof" Schwalingen No.17, erworben. Die Gebäude seiner Hofstelle lässt er Anfang der 1870er Jahre um einen Keller mit Speicher  erweitern, 5,8m x 4,5m in Länge und Breite. Zu Beginn der 1880er Jahre heiratet Hinrich Friedrich Witte und beschließt, den Hof seiner Ehefrau in Horst zu bewirtschaften, es ist eine Neubauerstelle. Den "Harm-Hof" parzelliert er und verkauft im Jahre 1882 die Bestandteile an Schwalinger Interessenten: Ackerland und Wiesen des "Harm-Hofes" verkauft Hinrich Friedrich Witte an den Neubauer Hinrich Lünsmann, er hat inzwischen den "Ramaker- Hof" Schwalingen No.28 übernommen, an Christoph Witte, den Halbhöfner vom "Peetz-Hof" Schwalingen No.32, den Anbauer Christoph Witte vom "Schün-Hof" Schwalingen No.4 und den Anbauer Christoph Gebers Schwalingen No.8. Die Gebäude des "Harm-Hofes" und den Hofraum erwirbt der 33jährige Musicus Wilhelm Gebers, nachgeborener Haussohn vom Halbhof "Reuers" in Schwalingen No.7. Er hat zusammen mit seinem Zwillingsbruder Christoph die Musikhochschule in Altona besucht und ist ein bekannter Musiker in Schwalingen und weiter Umgebung. Seit Mai 1881 ist Wilhelm Gebers in zweiter Ehe mit Anna Wilhelmine Maria von Fintel verheiratet, der Haustochter vom Anbauer "Höker", Schwalingen No.17. Schon in den Jahren zuvor hatte Wilhelm Gebers verschiedlich Grundbesitz in Schwalingen erworben, den er nun in den "Harm-Hof" einbringt, z.B. 1 Parzelle auf den "Heidblöcken" vom Halbhöfner Gebers "Eggers-Hof" Schwalingen No.35 oder 1 Parzelle "Auf dem Leisch" vom Anbauer Grüber Schwalingen No.47. Im Jahre 1908 lässt Wilhelm Gebers vom Hofraum des "Harm-Hofes"ein Stück abtrennen und überlässt es seinem Sohn August. August Gebers ist Tischler von Beruf und errichtet hier später ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tischlerei und Kaufmannsladen: Das "Discher-Hus" Schwalingen No.60. Der "Harm-Hof" bleibt bis heute im Besitz der Familie Gebers. Im Jahre 1920 übergibt Wilhelm Gebers seine Anbauerstelle seinem 26jährigen Sohn Friedrich Hermann Gebers. Er selbst und seine Ehefrau Wilhelmine beziehen das Altenteil auf dem Hof. Friedrich Hermann Gebers hat die Musikalität seines Vaters geerbt und kommt ebenfalls als Musiker in Schwalingen und Umgebung zu einiger Berühmtheit. Im Januar 1922 heiratet er die 23jährige Dora Frieda Böhling, Haustochter vom "Menken-Hof" in Schwalingen. 5 Jahre später, im Oktober 1927 kommt ihr Erbe des "Harm-Hofes", Fritz Werner Gebers zur Welt - "Harm-Fritz", wie ihn die Schwalinger später über viele Jahrzehnte nennen.
Die Lager der Anbauerstelle “Harm-Hof” auf einer Karte von 1899
“Harm-Hof”, in den 1920er Jahren
Wilhelm Gebers, um 1910
Die Neubauerstelle ‘Harm’  im Heidedorf Schwalingen seit 1786
- 2015