Die Wirtefolge der Neubauerstelle “Steinke”. 1846 - 1871 Hans Hinrich Reinke *1811 +1879 1871 - 1880 Johann Friedrich Söhnholz *1814 +1880 1880 - 1880 Carl Georg Söhnholz *  +1902 1880 - 1906 Johann Hinrich von Fintel *1847 +1932 1906 - 1912 Johann Friedrich Böhling *1870 +1941 1912 - 1961 Hinrich Christoph Otto Steinke *1881  +1978 1961 - Richard Willi Steinke *1920
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Die Lage der Neubauerstelle “Steinke” auf einer Karte von 1870
Am östlichen Ortseingang des Heidedorfes Schwalingen liegt eine alte Hofstelle, Haus-No.33. Das Wohnhaus ist in seinem ursprünglichen, beeindruckenden Zustand erhalten geblieben. Obwohl bald 170 Jahre alt, hat dieser Hof keinen eigenen Hofnamen erhalten. Vielleicht liegt es daran, dass nach seiner Gründung schon bald die Eigentümer in rascher Folge wechselten? Heute sagt man in Schwalingen "bi Steinke", wenn diese Hofstelle gemeint ist. Der Hof ist seit 100 Jahren in Besitz der Familie Steinke. Die Geschichte dieses Hofes beginnt Anfang der 1840er Jahre auf einem anderen Schwalinger Hof: Auf der Neubauer- stelle "Harm", Schwalingen No.25. Neubauer auf dem "Harm-Hof" ist der 1811 geborene Hans Hinrich Reinke. Sein Großvater Harm Reincken hat diese Neubauerstelle im Jahre 1786 gegründet - nach ihm ist sie benannt. Im Dezember 1838 beginnt die Gemeinheitsteilung und Verkoppelung in Schwalingen. 3 Vollhöfner, 14 Halbhöfner, 1 Brinkköthner, 7 Neubauer, 11 Anbauer und 28 auswärtige Grundbesitzer in der Gemarkung Schwalingen nehmen an dem Verfahren als Interessenten teil. Insgesamt werden 3905 Morgen (976 Hektar) Eigen- und Gemeinheitsflächen nach genau festgelegten Bewertungsmethoden neu verteilt. Entsprechend der Struktur der Schwalinger Interessenten ist die Gesamtfläche von 3905 Morgen gleich 85 Anteile gesetzt: Vollhöfner haben Anspruch auf 6 Anteile, Halbhöfner auf 4, Brinkköthner auf 2 und Neubauern auf 1 Anteil. Hans Hinrich Reinke hat also schon früh im Verfahren erkannt, dass sich die Wirtschaftsflächen seiner Neubauerstelle durch die Gemein- heitsteilung erheblich vergrößern werden - von ursprünglich etwa 2,3 Hektar auf mehr als 11,5 Hektar. Und darauf stellt er sich weitblickend ein. Seit 1841 ist Hans Hinrich Reinke mit Anna Margarethe von Fintel verheiratetet, der Haustochter vom nahe gelegenen Halbhof "Fintelmann". Vielleicht hat er seinen großen Entschluss getroffen, als im September 1844 sein Sohn Johann Friedrich Reinke geboren wird und damit die Erbfolge auf dem "Harm-Hof" gesichert ist. Jedenfalls entschließt sich Hans Hinrich Reinke, östlich des Schwalinger Baches, nahe seiner zukünftigen Wirtschafts- flächen, in der Flur "Im Riep", eine neue Hofstelle zu errichten, dorthin umzusiedeln und den alten "Harm-Hof" zu verkaufen. Und nicht nur das: Er errichtet dort, am östlichen Rand des Dorfes, jenseits des Schwalinger Baches, ein Niedersächsisches Hallenhaus für seine Landwirtschaft, aber auch groß genug, um zusätzlich eine Gastwirtschaft zu betreiben. Es wird beachtliche 17,5 x 11,0m lang und breit.Und auch eine Scheune wird gebaut, 8,8 x 7,6m lang und breit. Am 20.Juli 1846 ist der große Tag, das neue Wohnhaus wird gerichtet, Schwalingen No.33.  Es gibt Anzeichen, dass in den Anfängen auch der Hofname "Harm-Hof" auf die neue Hofstelle von Hans Hinrich Reinke übertragen wurde. Im Laufe der Zeit verblasst er aber an dieser Stelle und ein eigenständiger Hofname entsteht nicht. Der Hofname "Harm-Hof" bleibt für die alten Neubauerstelle Schwalingen No.25 erhalten. Zusätzlich zu der erheblich vergößerten Landwirtschaft trägt auch die Gastwirtschaft zum wirtschaftlichen Erfolg von Hans Hinrich Reinke bei. Sie wird gerne von Gästen angesteuert, die den "Wunderdoktor" Heinrich Christoph Witte auf dem nachbarlichen "Peetz-Hof" als Patienten aufsuchen. 1862 wird das Wohnhaus um gut 2m verlängert, es misst nun 19,6m x 11m Länge und Breite. Und die Scheune wird um einen Stallteil erweitert, in dem nun die Schweine aus dem Wohnhaus untergebracht werden, sie wird um ganze 4 m verlängert, auf 12 x 7,6m Länge und Breite. In den späteren 1860er Jahren verändert sich die bisher so gute Lage. Die Patienten des "Wunderdoktors" auf dem "Peetz-Hof" wenden sich mehr und mehr seinem Neffen und Nachfolger Hinrich Christoph Witte auf dem "Schün-Hof" am anderen Ende des Dorfes zu, zu weit für einen Fußmarsch der Patienten. Und als dann 1866 der Halbhöfner Johann Hinrich Gebers auf  seinem "Cohrs-Hof", nahe des "Schün-Hofes", auch noch eine Gastwirtschaft einrichtet, verliert wohl die Gastwirtschaft von Hans Hinrich Reinke eine wichtige Grundlage. 1866, im Deutschen Krieg, geht das Königreich Hannover unter und wird zur Provinz Hannover im Königreich Preußen. Gegen Ende der  1860er Jahre stehen die Zeichen auf  Krieg zwischen Preußen und Frankreich. Was auch immer die wirklichen Gründe waren, Hans Hinrich Reinke entschließt sich jedenfalls in dieser Umbruchzeit um 1870, seine Neubauerstelle nicht an seinen Sohn und Anerben Johann Friedrich Reinke zu vererben, sondern sie zu verkaufen. (Johann Friedrich Reinke gründet in späteren Jahren die Anbauerstelle “Orthmann”.) Im Mai 1871 schließt Hans Hinrich Reinke in seinem 59.Lebens- jahr den Verkaufsvertrag über seine Neubauerstelle mit dem Kauf- mann Johann Friedrich Söhnholz, der anschließend mit seiner Familie aus Müden nach Schwalingen umsiedelt. 12 Parzellen Land gehören zu der Hofstelle, insgesamt knapp 14 Hektar. Nur 25 Jahre nach der Errichtung der neuen Hofstelle und 85 Jahre nach der ursprünglichen Ansetzung auf dem "Harm-Hof" ist die Zeit der Familie Reinke als Neubauer in Schwalingen zu Ende. Hans Hinrich Reinke stirbt 8 Jahre später im April 1879 als Häusling in Schwalingen an Auszehrung, 67 Jahre alt. Johann Friedrich Söhnholz bewirtschaftet mit seiner Familie die Neubauerstelle bis 1880. Im Juli des Jahres stirbt er, 66 Jahre alt. Der Hof geht in Konkurs und muss im Juni 1881 zwangsversteigert werden. Der Vollhöfner und Gastwirt Heinrich Christian Söhnholz aus Müden ersteigert die Neubauer- stelle samt Zubehör und aller Flurstücke für sein Mündel, den taubstummen Georg Carl  Söhnholz -  Vormund und Mündel sind Brüder des verstorbenen Johann Friedrich Söhnholz. Schon wenige Monate später, im September 1881 verkauft Heinrich Christian Söhnholz im Namen seines Mündels Carl Georg Söhnholz die Neubauerstelle in Schwalingen No.33 weiter. Käufer ist der 34jährigeSchwalinger Häusling Johann Hinrich von Fintel. Der Vater von Johann Hinrich von Fintel ist der Abbauer Hinrich Friedrich von Fintel, ein nachgeborener Haussohn vom Vollhof "Böhlen" und seine Mutter Clara Margarethe ist eine geborene Röhrs vom Halbhof "Tönners" in Schwalingen. Als 9jähriger hat Johann Hinrich von Fintel erlebt, wie sein elterlicher Hof, der "Bult-Hof", im August 1857 im Großen Schwalinger Brand ein Raub der Flammen wurde. Nun ist Johann Hinrich von Fintel Besitzer der Neubauerstelle Schwalingen No.33. Seit April 1875 ist er mit Anna Sophia Böhling verheiratet, eine Haustochter vom Brinkköthner "Menken" in Schwalingen. Als sie die Neubauerstelle beziehen, haben sie bereits 3 Kinder: Die Zwillingstöchter Wilhelmine Marie und Anna Sophie, sowie den Sohn Carl Hinrich. Die Neubauerstelle von Johann Hinrich von Fintel besteht zu dieser Zeit aus “einem aus Fachwerk erbauten mit Stroh gedeckten Wohnhaus, enthaltend 2 Stuben, 3 Kammern, 1 geräumige Hausdiele, Feuerherd, sowie Bodenraum und Stallung, einem kleinen Anhang an der östlichen Seite des Hauses, einer aus Fachwerk erbauten, mit Stroh gedeckten Scheune und einem Landbesitz von knapp 14 Hektar.” 14 Jahre später, im Jahr 1894, beschließt Haussohn und Anerbe Carl Hinrich von Fintel, er ist 17 Jahre alt, nach Amerika auszuwandern. Wenige Jahre zuvor sind Verwandte vom "Böhlen-Hof" schon ausgewandert. Ihnen möchte sich Carl nun wohl anschließen. So ganz ohne Sorgen dürfte Johann Hinrich von Fintel die Entscheidung seines Sohnes und Anerben nicht hingenommen haben. Denn nun war die Nachfolge auf seiner Neubauerstelle nicht mehr gesichert. Als dann im März 1905 seine Ehefrau Anna Sophia im Alter von 59 Jahren stirbt, ist er 58 Jahre alt und allein auf seiner Neubauerstelle - die beiden Töchter sind seit Jahren im Dorf verheiratet. Um die Zukunft seiner Neubauerstelle zu regeln, bietet er seiner Tochter Wilhelmine Marie an, auf den Hof zu ziehen. Sie ist seit 1902 mit dem Schwalingen Häusling Friedrich Christoph Röhrs verheiratet und wohnt im "Tieten-Hüsel", Schwalingen No.38.  Tatsächlich zieht Marie mit ihrer Familie
zu ihrem Vater um. Aber der Versuch währt nicht lange, zu eigenwillig ist der Charakter von Johann Hinrich von Fintel. Marie zieht mit ihrer Familie in das "Tieten-Hüsel" zurück. Nun kommt Johann Friedrich von Fintel mit seiner zweiten Tochter Anna Sophie überein, seine Neubauerstelle zu übernehmen. Nach den gemachten Erfahrungen will man es aber besonders gut machen. Anna Sophie ist seit 1899 mit Johann Friedrich Böhling verheiratet, dem Anbauer auf dem früheren Halbhof "Eggers" Schwalingen No.35. Ihm, dem Schwiegersohn, verkauft Johann Hinrich von Fintel im August 1906 seine Neubauerstelle Schwalingen No.33 "mit allen dazu gehörigen Gebäuden und Grundbesitz von etwas mehr als 16 Hektar sowie sämtliches bewegliches und unbewegliches Inventar unter Ausschluß von einem Kleiderschrank, einem Koffer, einem Bett mit Bettstelle" für einen ansehnlichen Geldbetrag und sein Altenteil - und er bedingt sich die "Mitbenutzung des Sparherdes in der Küche" aus. Anschließend beschließt Johann Hinrich von Fintel, eine große Reise zu machen und seinen Sohn Carl auf seiner großen Farm in Amerika zu besuchen. Die Reise macht er aber nicht allein: Er nimmt seine 15jährige Nichte Ida Böhling vom "Menken-Hof" mit - sie wandert nach Amerika aus, zu ihrern Brüdern nach Nebraska. Am 12.November 1906 schiffen sie sich in Bremen auf dem Dampfer "Neckar" ein, um über New York weiter nach Nebraska zu reisen. Nach seiner Rückkehr aus Amerika beginnt das gemeinsame Leben und Wirtschaften von Johann Hinrich von Fintel und der Familie seiner Tochter Anna Sophie auf der Neubauerstelle Schwalingen No.33. Man versucht, mitein- ander zurecht zu kommen. "Aber sie können sich einfach nicht vertragen", erzählt man sich im Dorf. Nach 5 Jahren ist auch diese Lösung gescheitert. Im Januar 1912 verkauft Johann Friedrich Böhling die Neubauerstelle Schwalingen No.33 und zieht mit seiner Familie zurück auf den "Eggers-Hof". Käufer der Hofstelle ist der 30jährige Hinrich Christoph Otto Steinke gebürtig aus Timmerloh bei Soltau. Durch den Kauf wird Hinrich Christoph Otto Steinke Neubauer in Schwalingen mit einer großen Hofstelle und einem Grundbesitz von gut 14 Hektar. 3 Monate später, am 23.April 1912, heiratet er die gleichaltrige Catharina Minna Ida Schröder aus Söhlingen. Otto Steinke akzeptiert in dem Kaufvertrag aber auch eine eher unge- wöhnliche Bedingung: Er übernimmt auch das Altenteil von Johann Hinrich von Fintel, der so Mitglied wird  im Haushalt von Otto Steinke. Nach der Vorgeschichte der gescheiterten Versuche einer Hofnachfolge bietet das natürlich interessanten Gesprächsstoff im Dorf: "Harm-Opa ist mitverkauft worden." erzählen sich die Schwalinger und sind gespannt, wie es weiter geht. Aber es geschieht das Unerwartete. Otto Steinke und Johann Hinrich von Fintel verstehen sich und kommen miteinander aus. Nach Ausbruch des 1.Weltkrieges 1914 wird Otto Steinke zunächst zum Landsturm ausgemustert und hofft, dadurch vom Kriegseinsatz verschont zu bleiben. Aber im Juni 1915 erhält er überrraschend den Befehl zur sofortigen Gestellung. Er muss "Hals über Kopf" abreisen. Seine Frau Ida ist im 7.Monat schwanger, seine erstgeborene Tochte Olga gerade 1 Jahr alt geworden. In den folgenden Kriegsjahren, in denen Otto Steinke Soldat an der Front in Frankreich und Belgien sein muss, bewirtschaftet Johann Hinrich von Fintel die Neubauerstelle - so wie in der Zeit, als er noch selbst der Wirt war. Er kann gut mit Kindern umgehen und wird über die Jahre ihr 'Opa'. 1932 stirbt Johann Hinrich von Fintel, 86 Jahre alt. Die Erbfolge auf der Neubauerstelle der Familie Steinke scheint gesichert. 1915 wird der Anerbe Otto geboren, 1920 kommt Richard zur Welt. Aber dann bricht der 2.Weltkrieg aus. Im Oktober 1940 wird Richard einberufen und 1 Jahr später, bei Beginn des Russlandsfeldzuges schwer verwundet. Im Januar 1944 wird sein Bruder Otto an der Ostfront vermisst. Richard Steinke überlebt seine schwere Kriegsverwundung. Nach dem Krieg und amerikanischer Gefangenschaft kehrt er auf die Neubauerstelle seiner Familie in Schwalingen zurück. 1946/47 wird eine neue große Durchfahrtsscheune errichtet und bald darauf die alte Scheune abgetragen. 1949 heiratet Richard Steinke die 22jährige Elli Warnke, in Sprengel gebürtig und gründet eine eigene Familie auf der Neubauerstelle. 1961 wird ihm der Hof von seinem Vater Otto Steinke übertragen. In den 1980er Jahren stellt Richard Steinke die Wirtschaft auf der Neubauerstelle ein und setzt sich mit seiner Frau Elli zur Ruhe - liebevoll umsorgt von ihren drei Töchtern, die inzwischen ihre eigenen Hausstände gegründet haben - ausserhalb von Schwalingen. Im Januar 2012 feiert Richard Steinke in seinem 92.Lebensjahr ein Jubiliäum: Seine Neubauerstelle Schwalingen No.33 ist seit 100 Jahren im Besitz seiner Familie.
Die Lage der Neubauerstelle “Steinke” auf einer Karte von 1899
Neubauerstelle “Steinke”, im Winter 1952/1953
Gründer Reinke
Söhnholz
von Fintel
Böhling
Steinke
Die Neubauerstelle ‘Steinke’  im Heidedorf Schwalingen seit 1846
- 2015