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Der "Bargmeyer-Hof", im äußersten Westen des Dorfes gelegen,  ist wohl eine der letzten Gründungen im Heidedorf Schwalingen und doch schon über 100 Jahre alt. Über seinen Gründer HEINRICH Friedrich Wilhelm Meyer und die Geschichte der Gründung der Anbauerstelle sind selten reiche Nachrichten überliefert, die einen lebendigen Einblick in die damalige Zeit und ihre Lebensumstände erlauben. HEINRICH Friedrich Wilhelm Meyer wird am 5.Dezember 1877 im Nachbardorf Brochdorf als Sohn des Häuslings Dietrich Friedrich Meyer und seine Ehefrau Anna Maria, geborene Röhrs, geboren und 11 Tage später in der Kirche St.Bartholomäus zu Neuen- kirchen von Pastor Arfken getauft. Sein Vater ist nachgeborener Sohn vom Halbhof Meyer in Ebbingen bei Walsrode. Heinrich Meyer hat bereits einen älteren Bruder, Dietrich Friedrich ADOLF, im Jahre 1864 geboren. Von ihm wird später noch zu hören sein. Bis zu seinem 14.Lebensjahr besucht Heinrich Meyer die Grundschule zu Brochdorf. Am 12.April 1892 wird er von seinem Lehrer Friedrich Heuer aus der Schule entlassen. Die nächsten 5 Jahre ist er als Knecht in der Landwirtschaft auf verschiedenen Höfen tätig. Im Oktober 1897 erhält er seinen Gestellungs- befehl zum Wehrdienst, er ist 19 Jahre alt. Zwei Jahre lang dient Heinrich Meyer in der 3.Kompagnie des Königlich- preußischen Infanterie-Regiment Nr.165 in Goslar als Musktier (3.Kompagnie 5.Hannoversches Infanterie-Regiment Nr.165). Die großartige Zeremonie der Vereidigung und auch das Große Kaisermanöver, an dem er teilnimmt, beeindrucken Heinrich Meyer so sehr, dass er diese Erlebnisse in einem persönlichen Bericht festhält. Ende September 1899 wird er aus dem "Militairdienst zur Reserve beurlaubt". Im wird eine "gute" Führung bescheinigt und Strafen hatte er "keine" zu verbüßen. Die Jahrthundertwende 1900 erlebt Heinrich Meyer als Knecht auf einem Hof in Woltem. Ab April 1900 nimmt er eine neue Stellung auf einem Hof in Kroge bei Dorfmark an. Hier in Kroge lernt er die Tochter des Schäfers Hans Peter Stöckmann und seiner Ehefrau Cathrine Marie Magdalene, geborene Castens, kennen - Dorothea Katharine Marie Stöckmann, geboren am 22.Februar 1880. Zwei Jahre später heiraten Heinrich Meyer und Marie Stöckmann am 4.April 1902. Er ist nun 24, sie 22 Jahre alt. Pastor Knok traut das Paar in der Kirche zu Fallingbostel. Ihren gemeinsamen Hausstand gründet das frisch vermählte Ehepaar in Woltem, wo Heinrich Meyer ab April 1902 eine Stellung als Deputatarbeiter angenommen hat. Wenige Monate später tritt eine entscheidende Veränderung im Lebenslauf von Heinrich und Marie Meyer ein. Sie wird ausgelöst durch einen Unfall, bei dem sich Heinrich Meyer die rechte Handwurzel verletzt und sich dabei eine schlimme Blutvergiftung zuzieht. Mehr als 6 Wochen lang muss er täglich von Woltem "über die Heide" nach Visselhövede wandern, um die Verletzung von Dr.Zernitz behandeln zu lassen. Dann ist die Gefahr  vorüber. Aber die Folgen der Verletzung sind bleibend, später wird sein rechtes Handgelenk steif. Seine Stellung in Woltem als Deputatarbeiter muss Heinrich Meyer aufgeben. Schon Ende 1902 ziehen Heinrich und Marie Meyer aus Woltem fort. Sie finden in Schwalingen als Häuslinge auf dem Vollhof "Schnier" ein neues Zuhause. Es wird wohl so sein, dass HEINRICH Meyers älterer Bruder ADOLF ihn auf diese Möglichkeit hingewiesen hat. Denn Dietrích Friedrich ADOLF Meyer *1864 ist schon seit einigen Jahren Knecht auf dem Schwalinger Vollhof "Kain" und hat wenige Monate zuvor die Haustochter Anna Catharina Gebers geheiratet. Nun ist er Pächter auf dem "Kain-Hof" und kennt so die Verhältnisse im Dorf gut. Heinrich Meyers Familie in Schwalingen wächst. Im Februar 1903 wird Tochter Dora Johanna Marie geboren. Im Januar 1904 kommen die Zwillinge Heinrich Adolf und Hermann Wilhelm zur Welt. Inzwischen ist Heinrich Meyer Pächter auf dem "Schnier-Hof" und kommt wirtschaftlich gut zurecht. Sie bewohnen das Häuslingshaus des "Schnier-Hofes", Schwalingen No.9a (heute Schwalingen No.11). Vorsichtig versichert er sein Hausrat beim Feuerversicherungsverein des Sparkassenbezirks Schneverdingen, zu 3200 Reichsmark Versicherungssumme. Als am 1.April 1904 die Schwalinger ihren "Schützenverein Schwalingen von 1904 e.V." ins Leben rufen, gehört Heinrich Meyer mit zu den Gründungs- mitgliedern. Im folgenden Jahr 1905, als sich die Mitglieder des Vereins nach dem Schützenfest vor dem Gasthaus Subey (Schwalingen No.45) mit den Würdenträgern zu einem Erinnerungsfoto aufstellen, sitzt Heinrich Meyer mit Gewehr in der ersten Reihe. Trotz seines inzwischen versteiften rechten Handgelenkes kann Heinrich Meyer die anfallenden Hof- und Feldarbeiten erledigen. Er hat wohl auch den Willen dazu, sich nicht "unterkriegen" zu lassen. Bei der Tauglichkeitsunter- suchung im Juli 1905 stellt allerdings der Regiments-Arzt des Hannoverschen Infanterie-Regimentes Nr.165 fest, das Heinrich Meyer aufgrund seiner Behin- derung der rechten Hand "dauernd nur garnisonsdienstfähig" ist. Natürlich kann Heinrich Meyer zu dieser Zeit nicht ahnen, dass diese Feststellung seiner eingeschränkten Diensttauglichkeit für ihn einige Jahre später von vielleicht lebensrettender Bedeutung sein wird. Im Januar 1906 kommt Sohn KARL Heinrich Meyer zur Welt. Er wird am 4.Februar 1906 von Pastor Wilhelm Wittkopf in der Kirche St.Bartholomäus zu Neuenkirchen getauft. Seine Taufzeugen sind 1) der Anbauer Stöckmann in Klein-Harlingen, 2) der Stationsarbeiter Cordes in Soltau und 3) der Häusling Meyer in Wense. In diesem Jahr 1906 wird das Leben der Familie von Heinrich Meyer wieder und grundlegend in neue Bahnen gelenkt, als nähmlich der Vollhof "Schnier" verkauft wird. Vielleicht haben sich die Brüder Heinrich und Adolf Meyer in Schwalingen miteinander beraten, wer weiss. Jedenfalls, in diesem Jahr erwirbt der 42jährige ADOLF Meyer, die Anbauerstelle Schwalingen No.36, die von den Schwalingern später nach ihm "Ole Meyer" benannt wird (siehe Hofgeschichte "Ole Meyer"). Und HEINRICH Meyer, 29 Jahre alt, trifft eine große mutige Entscheidung, die Entscheidung seines Lebens: Er will sich selbständig machen, eine eigene, neue Hofstelle gründen und eine Anbauerstelle aufbauen.
Den Grundstock an Grundbesitz für seine neue Anbauerstelle erwirbt Heinrich Meyer noch im selben Jahr 1906 von einer Miterbin des "Schnier- Hofes", Auguste Groß, geborene Röhrs, Ehefrau des berittenen Gendarmen Christian Groß zu Schneverdingen. Das Kaufgeschäft wird durch den beeidigten Auktionator Wilhelm Witte zu Schwalingen No.4 im Auftrag von Auguste Groß, geborene Röhrs, abgewickelt. Das Eigentum von Heinrich Meyer umfasst nun 7,75 ha, der größte Teil davon sind Heideflächen im "Ostermoor" weit im Osten der Schwalinger Gemarkung. Für seine Hofstelle wählt Heinrich Meyer einen Platz am Hang des "Bultbergs” im Westen des Dorfes aus. Der Schwalinger Bach fließt hier an der Ostgrenze seiner Hoffläche entlang hinab in die weitläufigen "Uhlandswiesen".  Wegen der ungewöhnlichen Hanglage geben die Schwalinger der neuen Hofstelle von Heinrich Meyer bald den Namen "Bargmeyer". Hier lässt nun Heinrich Meyer im Herbst 1906 von Maurermeister Heinrich Lünsmann ("Ramaker", Schwalingen No.28) sein neues Wohnhaus errichten. Es wird massiv aus Ziegelsteinen hergestellt, nur die Scheidewände sind aus Fachwerk. Es gibt 2 Stuben, 2 Kammern, einen Flur, eine Küche. Der Wirt- schaftsteil besteht aus einem Speicher, einer Diele und Stallungen für Vieh und Pferde. Das Fundament stellt Maurer Lünsmann aus Zement her, den Keller aus Ziegelsteinen. Das Dach erhält Ziegel aus Zement, der Schornstein ist massis aus Ziegelsteinen. Die Decken der Wohnräume sind verschalt und erhalten einen Kalkmörtelputz. Die Fußböden in den Wohnräumen sind aus Brettern herge- stellt, in Küche und Flur aus Zement. Türen, Fenster und einige Möbelstücke lässt Heinrich Meyer von der  Schwalinger Bau- und Möbeltischlerei  Hermann Röhrs herstellen. Anfang Dezember 1906 ist die neue Hofstelle von Heinrich Meyer fertig und wird amtlich eingemessen. Auch ein neues Grundbuchblatt wird für seine Hofstelle im Gemeindebezirk Schwalingen beim Grundbuchamt Soltau angelegt: 6 Grundstücke mit insgesamt 7,75ha Grundbesitz - am 3.Januar 1907, die Anbauerstelle von Heinrich Meyer ist gegründet. Da ist nichts Ererbtes, "ich hab' mir meine Anbauerstelle zusammengekauft." So nennt es Heinrich Meyer in späteren Jahren bescheiden - er hat alles aus eigener Kraft geschaffen. Das benötigte Kapital für den Aufbau seiner eigenen Existenz übersteigt natürlich die vorhandenen finanziellen Mittel von Heinrich Meyer bei weitem. Aber er kann ja nun Werte vorweisen und so die Sicherheiten für aufzunehmende Gelder bieten. Die Sparkasse zu Schneverdingen gewährt ihm so ein größeres Darlehen, gegen das er sein Grundvermögen verpfändet. Und er hat sich in Schwalingen bereits persönliches Vertrauen in seine Redlichkeit und Schaffenskraft erworben: Er erhält von dem Eigentümer eines Schwalinger Halbhofes ein Privatdarlehen, das er später zwischen 1910 und 1915 vollständig mit Zinsen in jährlichen Raten zurückzahlt. Zum vorsichtigen und überlegten Handeln gehört für Heinrich Meyer auch, dass sein Eigentum ausreichend versichert ist. Im August 1907 schließt er eine umfassende Gebäuderversicherung für seine Hofstelle ab. Die Versicherungs- summe entspricht dem Neubauwert:  5750 Reichsmark. Und bei "Bargmeyers" stellt sich weiterer Nachwuchs ein: Im Februar 1908 wird Tochter Dora Minna geboren. Drei Jahre später, im Juli 1911 kommt Tochter Anna Emma Ida zur Welt. Tochter Dora Martha wird im Juni 1913 geboren. Ein Jahr später bricht der 1.Weltkrieg aus.
Vorgeschichte.
Nach Schwalingen.
Die Schicksalsentscheidung.
Eine Hofstelle am Hang.
Vertrauen in die Schaffenskraft.
Heinrich Meyer *1877, als Rekrut im Jahre 1899 Heinrich Meyer und Marie Stöckmann, Hochzeit im Jahre 1902 Schwalingen um das Jahr 1900
Die Anbauerstelle ‘Bargmeyer’  im Heidedorf Schwalingen seit 1906 1.Teil
- 2015